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Die Mörderin oder Paradise Lost

Scanography 50 x 50 cm | 2006

Natascha Sonnenschein /

NATASCHA SONNENSCHEIN - ALCHEMISTISCHE KUNST

Will man die Kunst von Natascha Sonnenschein ergründen, bedarf es zwei Wege der Erkenntnis. Der eine ist der Weg der unmittelbaren Erfahrung, der andere der Weg der Philosophie.

Genauso wie Natascha Sonnenschein als Konzeptkünstlerin in all ihren Projekten ein bestimmtes Thema als roten Faden bearbeitet, ist ihre ganzes Schaffen von einer tieferen Sicht des Lebens durchdrungen.

Anders als bei vielen Künstlern, die sich in exotischen Kulturkreisen oder Traditionen ihre Inspirationen holen, ist Natascha Sonnenschein eng verbunden mit der ursprünglichen abendländischen Philosophie der Hermetik.

Die Hermetik bezeichnet die spätantike religiöse Offenbarungs- und Geheimlehre des Hermes Trismegistos, („dreimal größter Hermes“), den die Griechen mit dem ägyptischen Gott Thot identifizierten. Sie ist von neuplatonischem Gedankengut geprägt, dass das Universum seinem Wesen nach geistig ist.

Selbst die scheinbar dichteste Materie ist in ihren kleinsten Einheiten als reine Energie und Schwingung erkennbar, wie es die moderne Quantenphysik beweist. Es gibt keine Aufteilung der Welt in Materie und Energie, sondern in grob- und feinstoffliche Schwingungen. Je nach Grad der Schwingung manifestiert sich die Energie in bestimmten Erscheinungsformen. Sie geht Korrelationen mit gleich schwingenden – sympathischen Mustern ein. Somit entstehen die vielfältigsten Einheiten oder Systeme mit ihren unterschiedlichen Funktionen und Intentionen. Sie bilden scheinbare, voneinander getrennte autonome Einheiten. Doch diese Trennung ist keine wirkliche, sondern vielmehr ein strukturelle. Alles ist miteinander verbunden und verwoben.

Die Welt lässt sich demnach in grobstoffliche und feinstoffliche Dimension einteilen. In eine für uns sicht-, greif- und fühlbare und eine nicht-sichtbare, energetische und feinstoffliche Welt. Diese Ebenen sind zwar strukturell von einander getrennt aber energetisch verbunden, da sie in ihrem Wesen aus dem gleichen Stoff sind: Reine Energie!

In ihren Scanographien möchte Natascha Sonnenschein diese Erkenntnisse zum Ausdruck bringen.

In der äusseren Form verknüpft sie digitale und analoge Medien miteinander, um die Verbindung zwischen Natur und Technik, Kunst und Wissenschaft wieder zu vereinen.

Inhaltlich will die Künstlerin die nicht-sichtbare Welt in ihren Bildern sichtbar machen, in dem Sie das scheinbar Profane transformiert. In einem wahrhaft alchemistischen Prozess verwandelt die Künstlerin unscheinbare Alltagsgegenstände und Lebewesen in lichtvolle, strahlende Objekte.

In ihren Bildern und Lichtprojektionen wird das Auge des Betrachters verzaubert und die Trennung zwischen den Ebenen der Wirklichkeit aufgehoben. Dadurch entstehen Kunstwerke mit Seele, die den Betrachter in Ihren Bann ziehen, ihn in das Kunstwerk als schöpferischen Beobachter integrieren und zum Teil des Ganzen werden lassen.

Da die Hermetik eine Kunst der Veränderung ist, versteht Natascha Sonnenschein ihr Wirken als einen Weg der Transformation – der persönlichen Reifung und Entwicklung. Zum Einen für sich als Künstlerin, zum Anderen aber auch als Einladung für den Betrachter. In dem der Mensch den Fokus auf das Schöne, Wahre und Gute lenkt, kann die Seele wachsen. Das ist die Alchemie des Sehens. (Text: Christian Sonnenschein, Köln 2008)

Natascha Sonnenschein (*1976) studierte MixedMedia und Visual Arts bei Prof. Harald Fuchs an der University of Applied Sciences Düsseldorf und Augsburg.